FUEL 4/2015 WIZARD OF FLOW
- Thorsten Ihlo
- 2. Dez. 2015
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 6 Tagen
Vergaser? Da bekommen viele das Zittern. Thorsten Ihlo nicht. „Das Herz des Motors", sagt er. Wenn das stimmt, ist er nicht weniger als ein Herzchirurg der besonderen Art. Und natürlich stimmt es.

Es ist immer dann schwer, einen Anfang zu finden, wenn es keinen gibt. Oder gleich mehrere. Ein Anfang dieser Geschichte ist folgender: Der verabredete Termin ist erst in einer halben Stunde. Thorsten Ihlo macht trotzdem die Tür auf, er lächelt, er reicht einem die Hand, und er bittet einen in sein Haus. Es läuft Rockmusik, Thorsten ist noch beim Frühstück, er löffelt Haferflocken mit Nesquik, und dabei kommt nach und nach ein Gespräch in Gang, das sich anfühlt, als wäre man sich nicht gerade erst begegnet, sondern kenne sich schon seit Jahren.
Es dreht sich manchmal viel weniger um Vergaser, als es sich eigentlich um Vergaser drehen sollte, und das liegt nicht daran, dass Thorsten selbst wichtiger wäre als seine Arbeit. Er sagt: „Meine Arbeit steht im Vordergrund, nicht ich." Aber ohne ihn wäre seine Arbeit nicht seine Arbeit, es wäre irgendeine. Sie wäre beliebig. Und das ist die Arbeit von Thorsten Ihlo so wenig wie ihr Ergebnis. Schon anhand der Art, wie er nur darüber spricht, ruhig und stets im selben Maß begeistert wie bescheiden, ist das zu ahnen.
Es macht keinen Unterschied, ob er nun einen Dell'Orto überholt, einen Weber, Mikuni oder Keihin reinigt, einen New Old Stock-S&S abstimmt, dass er selbst mit einer Maschine harmoniert, für die er nie gedacht war. Ob er einen alten Vergaser so restauriert, dass er funktioniert wie neu, aber die Würde des Alters behält.
Ob er einen Custom-Vergaser baut, so wie er das für Uwe Ehingers Speedster gemacht hat, eine irre Nummer, weil er den alten Linkert M74B dafür so hinbekommen musste, dass er diesen Hybrid aus Flat- und Knucklehead mit seiner offenen Ventilsteuerung sauber beatmen konnte.
Es spielt also keine Rolle, wie kompliziert, wie teuer, wie umfassend, wie besonders oder wie einmalig die Aufgabe ist, der sich Thorsten, den andere - nicht er selbst - gerne als Wizard of Flow oder Guru of Carbs bezeichnen, widmet. Es spielt eine Rolle, wie er sich diesen Vergasern zuwendet, wie er zum Beispiel für hundert Jahre alte Mechanik Teile nachfertigt. Er tut es nämlich so, als wäre das nicht bloß Mechanik und als wären das nicht bloß Teile.
„Da ist so 'n Fetisch draus geworden", sagt Thorsten und greift sich mit einer Hand um den Bart. ,,Aber ich weiß nicht, wieso ich so einen Tick für Vergaser entwickelt habe." Das bringt uns zum zweiten Anfang der Geschichte, dem Anfang, der nicht wirklich einer ist, sondern vielmehr ein Übergang, eine Entwicklung. Weil es den Tag, an dem Thorsten lhlo gesagt hätte: ,,Ich mache jetzt Vergaser", nicht gegeben hat. ,,Ich habe keine Entscheidung getroffen", sagt er und, ,,ich habe keine Idee gehabt." Aber nach Jahren der Schrauberei ein Empfinden: ,,Die Leute sagen oft, der Motor ist das Herz des Motorrads. Kann sein. Für mich jedenfalls ist der Vergaser das Herz des Motors."
Eine Herzensangelegenheit also. Aber kein sentimentaler Quatsch. Ansonsten würden sie wohl kaum sogar aus den USA auf ihn zukommen und fragen: ,,Thorsten, wir machen da ein Showbike, kannst du den Vergaser für uns hinbekommen?" Kann er. Auch wenn das oft schwierig ist. ,,Die meisten", sagt Thorsten, ,,haben, so glaube ich, Angst vor dem Vergaser. Die wollen den anbauen und nichts mehr damit zu tun haben." Was daran liegen könnte, dass Probleme mit dem Vergaser erstens nicht unbedingt vom Vergaser kommen müssen.
,,Meistens ist es eher die Zündung." Zweitens sind Probleme nie so einfach zu beheben, wenn es sich nicht gerade um eine Standard-Überholung handelt. ,,Es gibt so viele Regeln, die du beachten - oder umgehen - musst, so viele Variablen. Dimension, Bedüsung, Einstellung, Ansaugtrakt, Mechanik. Das dauert, bis alles harmoniert und funktioniert. Oft gehst du zwei Schritte vor und dann wieder drei zurück. Oder vier. So was muss man auch wollen."
Er will. Oder kann er nicht anders? Beides wahrscheinlich. ,,Wenn du zum Beispiel einen 100 Jahre alten Vergaser überholst, gibt es dafür keine Teile mehr. Da musst du zwei Drittel davon neu bauen. Das sind immense Herausforderungen." Zum Beispiel: Düsennadeln, Düsen oder Düsenstock drehen und fräsen oder eine ausgeschlagene Drosselklappenwelle wieder so exakt ins Gehäuse zu bringen, dass die Klappe sich frei bewegt, der Vergaser aber auch kein bisschen Nebenluft zieht. ,,Da bin ich penibel", sagt Thorsten. ,,Da wird klar, wie gut man wirklich ist. Ein nerdiges Thema", nennt er das und zeigt sich damit ja auch selbst einen Vogel.


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